Dienstag, 9. November 2010

Messer schleifen Anleitung - Der Schleifstein

Ein paar warme Worte zum Schleifstein


Es gibt heutzutage ziemlich viele verschiedene Sorten von Schleifsteinen, von denen einige meine Behandlung erdulden mussten. Ein Vergleich der verschiedenen Steine kann man auf der Schleifsteintestseite finden. Wichtig ist, dass man mit einem größeren Schleifstein (ca. 200mm x 50mm) bessere Schleiferfolg erzielen kann, als mit kurzen, da man die Klinge besser in einer harmonischen Bewegung über den Stein bewegen kann und so der Schleifwinkel des Messer konstanter bleibt.

Ich habe die Schleifsteinsorten nach verschiedenen Kategorien geordnet:

Japanische Wassersteine bieten die Möglichkeit, Klingen schnell und dennoch fein zu schleifen. Aufgrund des weichen Bindemittels im Stein brechen die stumpfen Schleifkörner schon frühzeitig aus der Oberfläche des Steine und frische Schleifkörner kommen wieder zum Einsatz. Die Steine schlämmen deutlich, weil vom Stein relativ viel Bindemittel abgetragen wird. Hierdurch ergibt sich ein Schleifschlamm, die durch ihre Bewegung zwischen Schleifstein und Klinge die Schneide matt satiniert. Leider nutzen sich die Steine dadurch schneller ab als Steine mit festerem Bindemittel. Die Oberfläche der Steine bleibt nicht so lange eben, wie die von Steinen mit härteren Bindemitteln. Aus diesem Grunde muss man die japanischen Wassersteine häufiger abrichten. Durch die weichere Oberfläche können beim Schleifen der Klingenspitze leicht Riefen in den Stein eingeritzt werden. Diese Steine werden zumeist von Küchenläden und Werkzeugläden, die Holzbearbeitungswerkzeuge geführt. Preislich sind die Werkzeugläden günstiger als die Küchenläden. Die Steine von der Firma King haben mich in dieser Kategorie überzeugt, ein 1000/6000 Schleifstein und zusätzlich ein gröberer Stein fürs vorschleifen bilden hier ein gutes Team. Unter Schleifsets sind Bezugquellen und sinnvolle Zusammenstellungen genannt. Für Anfänger sind diese Steine wegen ihres Preises und Ihrer Weichheit nicht uneingeschränkt zu empfehlen, da man sie leicht durch falsche Handhabung versauen kann und deshalb häufiger abrichten muss.

Die meisten "Europäische" Steine findet man in Deutschland leicht, schließlich sind wir ja auch in Europa ;-). Einige Hersteller stellen hochwertige Steine her. Gute Erfahrungen habe ich mit Steinen von Zische (Missarka, Silfix), Müller (vor allen Dingen Arkansas Kunststeinen), Apex und Lapport gemacht. Die meisten Steine sind Kombisteine mit feiner und mittlerer Seite. SIe werden aus Korund (Aluminiumoxid) und Siliziumkarbid hergestellt. Für Sparfüchse gibt es noch sogenannte Sensenwetzsteine, die eine gestreckte abgerundete Rautenform haben. Von Zische gibt es dabei auch gute Sensenschleifsteine aus Siliziumkarbid. [ Messer schleifen Anleitung ]

"Diamantsteine" können trocken geschliffen werden, jedoch sinkt der Verschleiss durch ausbrechende Diamanten, wenn man mit ein wenig Öl den Stein schmiert. Bei der Herstellung dieser Steine wird künstlicher Diamantstaub auf einen Metallkörper (Lochplatte) gesintert, der wiederum kunststoffgefüllte Löcher aufweist, damit der Schleifabrieb nicht die Diamantschleiffläche zusetzt. Sie weisen einen relativ hohen Abtrag auf, jedoch sollte man aus Verschleissgründen nicht allzu feste auf die Oberfläche des "Diamantsteines" drücken, sonst brechen die Diamanten zu schnell aus der Stahlmatrix aus. Das Ergebnis ist dann eine relativ teure Metalllochplatte ohne sinnvolle Funktion. Die erzeugte Oberfläche der feinen Diamantschleifmittel weist zumeist gröbere Riefen auf, als die von feinen herkömmlichen Schleifsteinen. Die billigen Diamanterzeugnisse haben mich nicht überzeugen können. Häufig sind diese Schleifmittel auch etwas zu klein oder zu labil geraten. In höheren Preissegmenten sieht die Sache vielleicht anders aus, aber 160 Euro für einen richtig guten Diamantblock auszugeben ist nicht jedermanns Sache (meine bisher auch nicht ;-) ). [ Messer schleifen Anleitung ]

Natursteine gibt es in vielen verschiedenen Variationen. Sehr bekannt ist der amerikanische Arkansas ein ziemlich hart gebundener sehr feiner Stein, der lange die Form bewahrt, aber dafür nur sehr langsam Material abträgt, der weniger bekannte Washita Stein hat eine weichere Bindung und damit einen höheren Abtrag als der Arkansas erzeugt aber auch eine gröbere Oberfläche als Schleifergebnis. Japanische Natursteine sind ähnlich in der Konsistenz wie die künstlichen japanischen Wassersteine, also weiche Bindung und schnelleres Arbeiten, aber mehr Abnutzung. Die belgischen Brocken sind ebenfalls für ihre Feinschliffqualitäten sehr bekannt. Hier gibt es eine feine gelbe Variante oft in sehr kleinen Steingrößen und eine blaue Variante in größeren Größen. Beide sind zu empfehlen.
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Zusammengefasst kann man zu Natursteinen folgendes feststellen:
1) Grobe Natursteine (z.B. der japanische Ohmura) sind im Vergleich zu groben künstlichen Steinen deutlich im Nachteil, da das Schleifkorn meistens zu "weich" ist (Sandsteine) und der Stein daher nur schlämmt, ohne richtig Material abzutragen. Daher empfehle ich fürs Grobe die Kunststeine (Siliziumkarbid ist hier im Vorteil).
2) Feine Natursteine sind vom Schleifergebnis vergleichbar mit Kunststeinen, bei normalerweise langsamerem Abtrag und deutlich höherem Schleifsteinpreis. Eine Ausnahme ist der belgische Brocken, sowohl in blauer, wie auch in gelber Variante, er trägt vergleichbar schnell bei gutem Schleifbild Material ab, der Preis liegt allerdings auch über dem von vergleichbar groben künstlichen Schleifsteinen.
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Mit keramischen Steinen habe ich selbst recht gute Erfahrungen gemacht, sie sind mit den diamantbeschichteten Steinen zu vergleichen. Die Steine bleiben sehr lange eben, wenn sie zu Beginn schon eben waren, haben einen guten Abtrag, erzeugen eine relativ feine Schneide und können auch trocken benutzt werden. Es gibt eine gute Steinserie von Spyderco in Kunststoffetuis. Ich habe sie beim Toolshop entdeckt. Der feine und mittlere kostet momentan 45 Euro und der sehr feine kostet 65 Euro.
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Viele billige Baumarktsteine sind im Allgemeinen zu grob, tragen zu langsam Material ab und werden schnell uneben. Oft bilden sich bei Ihnen auch nach einigem Gebrauch glatte Stellen, die erst im Laufe der Zeit, wenn sie abgetragen sind, wieder griffiger werden. Ich selbst habe damit selten gute Erfahrungen gemacht. Man darf sich nicht täuschen lassen, wenn im Baumarkt neben Markenschleifsteinen, die ab ca. 10 Euro zu haben sind, andere für 3 Euro liegen, die ähnlich aussehen, aber nicht das halten was sie versprechen, weil sie meistens zu grob und nicht sehr eben sind. Ein Problem der billigen Schleifsteine ist das Herausbrechen größerer Partikel aus dem Stein beim Schleifen, die sich zwischen Stein und Schneide schieben und dort grobe Riefen hinterlassen. Billige Schleifsteine setzen sich trotz Schleifflüssigkeit leichter zu und die Schleifleistung lässt stark nach. Außerdem kommt es leicht zu Ausbrüchen im Stein, so dass der Stein "Scharten" bekommt und die Messer eher misshandelt als schleift. Des weiteren sind die billigen Schleifsteine oftmals nicht gut abgerichtet, bzw. haben hochgewölbte Kanten, so dass sie direkt mit härteren Steinen oder SiC Schleifpapier abgerichtet werden müssen. Daher mein Tipp: davon lieber die Finger lassen. 
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Quelle: http://www.messer-machen.de/messer.htm